Wolke 4 - Scheiße, oder das reale Leben?

Wolke 4 – Scheiße, oder das reale Leben?

Es ist jetzt schon einen Monat her, da habe ich begonnen diesen Beitrag zu schreiben. Bei den Twitterperlen habe ich folgenden Tweet gefunden. Eine provokante Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Ist die Wolke 4 nun scheiße oder einfach das reale Leben in einer Beziehung und gar nicht scheiße?

Der Tweet bezieht sich auf das Lied Wolke 4 von Marv & Philipp Dittberner. Kennt Ihr hoffentlich, ist nämlich ein toller Song und war auch schon vor einiger Zeit Song Of The Day hier im Blog. Zur Sicherheit hier noch eine Version ohne den elektronischen Beat der Single. Den Text findet ihr ganz unten im Beitrag.

Ist die Wolke 4 wirklich nur eine Notlösung und scheiße?

Persönlich finde ich das Bild von der Wolke 4 toll und absolut passend. Die Wolke 7 ist für mich eine Phase oder ein Ort den wir gelegentlich mit unserem Partner besuchen. Es ist ein Feuerwerk von körpereigenen Drogen die uns durchströmt. Es ist ein fast unmöglich zu beschreibendes tolles Gefühl. Keine Frage Wolke 7 ist ein toller Ort.

Lernt man einen Menschen kennen kann dieses Feuerwerk gleich anspringen, oder aber auch erst nach einer Zeit anfangen. Es gibt keine Regeln, keine festen Zeiten. Es gibt eigentlich noch nicht einmal ein Muss. Ich weiß der letzte Satz ist provokant, aber es gibt tatsächlich andere Gründe bzw. Gefühle die uns einem Menschen nahebringen. Das kann absolut richtig sein. Ich habe es selbst schon erlebt. Daraus ist eine sehr intensive Liebe und schöne Beziehung gewachsen. Zugegeben das Feuerwerk der Gefühle ist natürlich einfach unbeschreiblich schön und gefühlt würde ich es bevorzugen. Man fühlt sich als könnte einen nichts stoppen. Es ist aufregend. Es prickelt. Es durchströmt Körper und Geist. Wir fühlen uns wie auf Wolke 7. Das hält aber nur eine gewisse Zeit, das Feuerwerk ist irgendwann vorbei. Die Verliebtheit geht vorbei. Meine beste Freundin meinte dazu erst kürzlich: „Im übrigen wird „sich verlieben“ total überbewertet“. Aus einem gewissen Blickwinkel hat sie damit Recht, auch wenn ich persönlich Verliebtheit bevorzuge. Es ist nämlich auf der anderen Seite auch so: „Liebe allein reicht nicht“. Das hat vor vielen Jahren mal eine Frau zu mir gesagt und ich habe es sehr lange nicht verstanden. Heute verstehe ich es. Verliebt sein ist toll, bedeutet aber noch lange nicht das daraus Liebe wird. Selbst wenn es Liebe wird ist ein gemeinsames Leben nicht unbedingt möglich. Liebe ist kompliziert und sie folgt einfach keinen Regeln. Das ist ja gerade so aufregend, alles ist möglich und nichts muss.

Jetzt gehen wir aber mal davon aus, die erste Phase haben zwei Menschen gemeistert. Alles ist gut gelaufen und es wächst langsam die Liebe heran. Die Liebe, die wir uns im tiefsten unseres Herzens alle wünschen. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, ein emotionaler Teil des Anderen zu sein. Liebe kann nur zu zweit entstehen. Verliebt sein kann man alleine. Mit Liebe zurückgelassen werden kann man alleine. Liebe wachsen lassen geht nur zu zweit.

Das kann auch noch auf Wolke 7 sein, muss es aber nicht. Wolke 7 ist nämlich rosarot und viel zu hell. Wir erblinden und leben eine Illusion. Ja, Wolke 7 ist eine ein Ort auf dem wir nur kurz zu Gast sind. Eine schöne Illusion. Wenn wir dort bleiben könnte würden wir uns daran gewöhnen. Alles wäre dann normal und würde jeden Tag ein Stück verblassen. Ich bin dort gerne zu Besuch auch mit meiner Partnerin. Einmal Wochenendtripp Wolke 7 bitte. Es ist Urlaub für unser Herz.

Ich kann sehr glücklich auf Wolke 4 sein und gelegentlich Urlaub auf Wolke 7 darf es trotzdem sein.

Eine Beziehung ist aber mehr als verliebt, verlobt, verheiratet. Sie bedeutet neben der Liebe, die ich als Basis sehe, viel Arbeit und Gespräche. Weil da der Alltag ist. Weil wir uns entwickeln und verändern. Jeder für sich und als Paar. Weil das Leben auch tiefen hat und man diese schlechten Zeiten gemeinsam meistern muss. Das ist aber eben nicht alles Wolke 7. Dort wäre es garnicht möglich ein gemeinsames Leben zu führen, so rosarot und hell. Wir würden die Probleme und Bedürfnisse des Partners nicht sehen. Falls doch, dann erst wenn es zu spät ist. Es gibt Situationen in einer Partnerschaft die man nur gemeinsam bewältigen kann. Beispiele erspare ich mir an dieser Stelle. Es gibt unaussprechlich schlimme Dinge, die einem Paar geschehen können. Das übersteht man aber nur mit ein wenig mehr Realität. Ich finde dafür ist die Wolke 4 ein perfekter Ort. Wenn wir von Wolke 1 bis 7 zählen ist Wolke 4 überdurchschnittlich. Weiter vom Boden weg als von Wolke 7. Vielleicht ist es es ein Problem in unserer nach Perfektion suchenden Gesellschaft. Wenn es nicht Wolke 7 ist, dann muss es scheiße sein. Sorry, kann und möchte ich nicht so sehen. Ich kann in einer realen Welt mit meinem Partner sehr glücklich auf Wolke 4 sein und ein gelegentlicher Urlaub auf Wolke 7 darf es trotzdem sein.

Wolke 4 – Liedtext

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen
Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen
Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein

Ziemlich gut, wie wir das so gemeistert haben
Wie wir die großen Tage unter kleinen Dingen begraben
Der Moment der die Wirklichkeit maskiert
Es tut nur gut zu wissen, dass das wirklich funktioniert

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen
Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen
Lieber Wolke vier mit Dir, als unten wieder ganz allein

Hab nicht gesehen, was da vielleicht noch kommt
Was am Ende dann mein Leben und mein kleines Herz zerbombt
Denn der Moment ist das, was es dann zeigt, dass die Tage ziemlich dunkel sind
Doch Dein Lächeln bleibt. Doch Dein Lächeln bleibt…

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke sieben, viel zu viel verpassen
Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen

Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein
Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein
Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein

 

Kategorien ANALOG

Ich bin Sascha Walk und der Autor – besser gesagt der Urban-Lifestyle-Evangelist hinter Blog in Orange. Diese Bezeichnung leitet sich vom Technologie Evangelist ab. Ich möchte euch die frohe Botschaft des schönen Stadtlebens näherbringen.

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