Ausstellungseröffnung „deKoe Gantar Vogt Zalenga“

Wann

31. Januar 2024    
17:00 – 20:00

Wo

Ingo Seufert – Galerie für Fotografie der Gegenwart
Ingo Seufert – Galerie für Fotografie der Gegenwart

deKoe Gantar Vogt Zalenga

In ihrer zweiten Ausstellung des neuen Jahres versammelt die Galerie Ingo Seufert vier Positionen zeitgenössischer Fotografie. Zu sehen sind insgesamt 20 Fotoprints von Käthe deKoe (München), Eva Gantar (Wien und Feldkirch/Vorarlberg), Korbinian Vogt (München) und Laura Zalenga (Rotterdam).

Für Käthe deKoe, die vor allem durch ihre Bildberichterstattung aktueller Münchner Pop- und Rockkonzerte im Musikmagazin LAXmag bekannt wurde, ist Landschafts- und Städtefotografie in erster Linie die Begehung und Interpretation der Stadt München und ihres Umlandes. Vier bisher nicht gezeigte Arbeiten aus den Jahren 2017 bis 2023 widmen sich jedoch Venedig und Marokko, wobei die während der Aufnahme mit der Kamera erzeugte Bewegungsunschärfe nurmehr periphere Informationen bereit hält, die eine geografische Verortung des ausgewählten Motivs ermöglichen. Es ist der Betrachter, der aufgrund seines Erfahrungswissens archetypische Ansichten abruft, er rekonstruiert gewissermaßen innere Bilder. Diese sind jedoch letztlich idealisierte Traumbilder, die konsequenterweise keiner „Ähnlichkeit“ oder einer empirischen Verifizierung bedürfen. Vielmehr schieben sich die visuellen und strukturellen Eigenschaften in den Vordergrund, das Abbild schlägt zum Bild um und verselbständigt sich als autonomes Kunstwerk, das vom Betrachter wiederum selbst mit Erinnerungen und Emotionen aufgeladen werden kann, mit dem Ziel einer proaktiven Auseinandersetzung zwischen Realität und fotografischer Bildwirklichkeit.

Das tran­si­to­ri­sche Moment und die Ver­schie­bung von Raum und Zeit, beein­flusst durch die Art der Auf­nahme, sind für die Archi­tek­tin und Foto­gra­fin Eva Gantar wesent­li­cher Bestand­teil ihrer Arbei­ten. Mit Sen­si­bi­li­tät und Humor macht sie uns auf­merk­sam auf Abwe­sen­hei­ten, Objekte und Orte mit eigen­tüm­li­chen Syn­er­gien und den dar­aus ent­ste­hen­den unge­wöhn­li­chen Momen­ten. Ihre neue Serie „Squeeze me tight“ sind tem­po­räre Objekte beste­hend aus drei­ßig Küchen­schwäm­men. Sie wur­den her­aus­ge­löst aus ihrer Umge­bung und zu Prot­ago­nis­ten ihrer Foto­ar­bei­ten gemacht. So wie aus­ge­drückt lie­gen gelas­sen, oft­mals unbe­ach­tet, wur­den sie in Küchen, Sani­tär­räu­men von Woh­nun­gen, Stu­dios, Hotels, Restau­rants und ande­ren öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen gesam­melt und mit einer Mit­tel­for­mat­ka­mera auf­ge­nom­men. Fein­füh­lig und seis­mo­gra­phisch spie­geln sie den ener­ge­ti­schen Gemüts­zu­stand ihrer Urhe­ber wider und sind buch­stäb­lich Aus­druck des­sen, dass jede auch noch so sub­tile Hand­lung Spu­ren hin­ter­lässt. „Als ich die Ereig­nisse in mei­nem ver­gan­ge­nen Leben über­prüft hatte, merkte ich, wie sub­til die Ein­flüsse sind, die unser Schick­sal prä­gen.“ (Nikola Tesla).

Die sechs Arbeiten des jungen Fotografen Korbinian Vogt stehen stellvertretend für sein zentrales Bildthema, den weiblichen Akt vor wildromantischer Naturkulisse. Zusammen mit seinen Modellen erwandert er die sorgsam ausgewählten Schauplätze und fotografiert sie dann als Akte in atemberaubender Bergwelt oder unwirtlichen Eislandschaften. Die drängende Unabwendbarkeit dieser Motivik macht dabei deutlich, dass sich einzig die Elemente der Natur für ihn stimmig anfühlen und es letztlich virulente innere Bilder sind, die der Künstler visualisiert. Jene ästhetisch überhöhte Wahrheit der Darstellung verleiht seinen fotografischen Werken über Authentizität hinaus eine Magie, der sich der Betrachter nicht entziehen kann, sie „stemmen sich gegen das Verlorensein und öffnen uns dadurch eine visuelle Ebene voller kleiner Wunder. Seine Wunder – zwischen Selbstgespräch und Erzählungen“ (Olaf Unverzart). Große Beachtung fand sein 2016 publiziertes Fotobuch „Narrated Monologue“.

Mit unerschöpflichem Ideenreichtum hinterfragt Laura Zalenga die eigene Person, übersetzt Befindlichkeiten, körperliche Veränderungen und Verletzungen sowie räumliche Situationen in eine individuelle Bildsprache, die mithilfe der digitalen Bildbearbeitung eine zusätzliche atmosphärische Dichte erhalten. So entstehen betörende Bildideen, denen sich die gewählten Mittel wie selbstverständlich unterordnen. Reinen Porträt– und Selbstporträtaufnahmen stehen narrative Inszenierungen in freier Natur gegenüber – oder auch vor einer monochrom grauen Wand. Die oftmals kontrastreichen, in kalte Farbigkeit getauchten Szenerien lassen dabei an die Bildästhetik der Filme von Tim Burton denken. 2018/2019 war Zalenga Adobe Creative Resident. Vier der sechs vorliegenden Prints sind im Rahmen der Ausstellung erstmals zu sehen, wobei sich die Künstlerin als ihr eigenes Modell in spektakulärer Landschaft selbst inszeniert oder den eigenen Körper gleich einer Skulptur zum Bildgegenstand werden lässt.

Die Ausstellung läuft bis zum 17.02.2024 und ist geöffnet
Mittwoch 14:00-17:30 Uhr
Donnerstag und Freitag 14:00-19:00 Uhr
Samstag 11:00-15:00 Uhr

Bei der Vernissage am 31.01.2024 sind die Künstlerinnen und Künstler anwesend.

https://www.facebook.com/events/1019955185747043/