Plädoyer für mehr Bauchgefühl

Plädoyer für mehr Bauchgefühl

Haben wir verlernt auf unseren Bauch zu hören? Bauchgefühle sind nicht kontrollierbar. Sie passen nicht in unseren geplanten, strategischen Lebensweg. Sind sie vielleicht sogar gefährlich, oder eine Notwendigkeit um wirklich Mensch zu sein? Für mich steht eines fest, wenn wir auf unseren Bauch hören macht es uns gelegentlich Angst. Angst die Kontrolle abgeben zu müssen. Was wir aber eigentlich aufgeben ist die Illusion von Kontrolle. Natürlich gehört auch logisches überlegen zu unserem Leben, aber wir brauchen doch irgendwo mehr Kopf-Bauch-Balance.

Wir brauchen mehr Kopf-Bauch-Balance Klick um zu Tweeten

Paar auf einer Sitzbank

Dieses Bauchgefühl ist doch irgendwie auch eine Form von Intelligenz. In unserer perfekt geplanten und vom Kopf gesteuerten Welt ist nur zu wenig Platz dafür. Wir vertrauen nicht auf dieses Gefühl. Ich kann mich da nicht ausnehmen. Vieles entscheidet der Kopf, gerne auch mal gegen das Bauchgefühl. Ausschließlich auf den Bauch zu hören kann auch ganz schön nach hinten losgehen. Ich möchte hier trotzdem ein Plädoyer für mehr Bauchgefühl halten. Was sonst übrig bleibt ist ein kopfgesteuertes Leben. Ein Leben im Graubereich des emotionalen Mittelmaßes. Ähnlich geht es auch unseren Passionen. wir sehen sie nicht mehr. Wir müssen sie suchen. Bitte? Eine Passion suchen ist doch schon ein Wiederspruch in sich. Hierzu habe ich gerade heute einen spannenden Artikel auf Englisch gelesen, den Marcus John Henry Brown auf Facebook geteilt hat.

Übrig bleibt ein kopfgesteuertes Leben, im Graubereich des emotionalen Mittelmaßes. Klick um zu Tweeten

Für mich beginnt alles mit zwischenmenschlicher Kommunikation. Unsere Welt und wir sind durchdrungen von Kommunikation. Wir können garnicht anders. „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“ (Quelle: Die Axiome von Paul Watzlawick). Noch nie war es so einfach mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Dating Plattformen, Social-Media, Messenger, Telefon und persönliche Gespräche stehen uns zur Verfügung. Was machen wir damit? Wir tauschen meistens kalte Informationen aus, der Kopf regiert diese Kommunikation. Viele dieser Kanäle benutzen wir bewusst, um ein Bild von uns aufzubauen. Völlig kopfgesteuert wägen wir ab was wir veröffentlichen. Das ist vielleicht auch ein Grund warum wir so gerne die neuen Medien nutzen. Wir können den Kopf entscheiden lassen. Ein persönlich ausgesprochener Satz ist gesagt und kann nicht mehr zurückgenommen werden. Eine WhatsApp Nachricht kann ich tausendmal umschreiben und dann erst senden.

Auch wenn ich ein großer Fan von Social-Media & Co. bin, mir ist völlig klar wo die Grenzen sind. Menschliche Kommunikation besteht eben aus mehr als Text und Bild. Bei Video sieht es schon besser aus, trotzdem ist all das ganz bewusst geplanter Informationsaustausch. Wirklich intimes behalten wir für uns. Ich möchte nicht dazu aufrufen, die tiefsten intimen Geheimnisse zu veröffentlichen. Ganz und garnicht. Bewusst gesteuerte Information ist völlig in Ordnung. Solange wir die Grenzen kennen und noch in der Lage sind mit unseren Freunden, Partnern und der Familie anders zu kommunizieren. Das ist nicht einfach, wir üben ja ständig die gesteuerte Informationsverbreitung. Wir erlernen Muster und diese dann in einem anderen Umfeld abzulegen ist nicht immer einfach. Ein persönliches Gespräch, ein gemeinsames Essen oder einfach nur gemeinsam verbrachte Zeit kann nicht ersetzt werden. Diese Erlebnisse kann man gerne über andere Kommunikationswege verlängern, ersetzen funktioniert hier leider nicht.

Gerade wenn es um Gefühle geht wird es richtig schwierig. Jede Öffnung birgt das Risiko verletzt zu werden. Dann lieber nicht öffnen, nicht auf das Gefühl in der Magengrube hören? Klar, funktioniert. Wir werden nicht verletzt, wenn wir uns nicht öffnen. Wir verlieren nur die Chance auf eine echte emotionale Bindung. Große Emotionen, die Liebe auf den ersten Blick und das große Happy End haben wir in Filme verbannt. Dort konsumieren wir sie und holen uns ein Stück davon ab. Mieten uns, was wir selbst nicht zulassen können. Weil es uns Angst macht. Ist es das Wert? Sollte man bereit sein für die Chance das wirklich im eigenen Leben zu haben ein Risiko eingehen? Ich glaube es ist den möglichen Preis wert. In einem meiner Lieblingsfilme aus meiner Zeit als Tänzer, „Strictly Ballroom“ gibt es ein schönes Zitat: „Ein Leben in Angst gelebt, ist ein Leben halb gelebt“ und ich möchte ergänzen „Ein leben im Mittelmaß gelebt, ist ein Leben halb gelebt“.

Ein Leben im Mittelmaß gelebt, ist ein Leben halb gelebt Klick um zu Tweeten

Dafür müssen wir nur wieder lernen mehr auf unseren Bauch als Gefühlszentrale zu hören. Ich glaube es lohnt sich, selbst wenn es von Zeit zu Zeit weh tut.

 

Kategorien ANALOG

Ich bin Sascha Walk und der Autor – besser gesagt der Urban-Lifestyle-Evangelist hinter Blog in Orange. Diese Bezeichnung leitet sich vom Technologie Evangelist ab. Ich möchte euch die frohe Botschaft des schönen Stadtlebens näherbringen.

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