Zig Zig – Laila Soliman (Kairo | Amsterdam)

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29. Oktober 2017 to 30. Oktober 2017 17:00 - 22:00

HochX Theater und Live Art

Entenbachstr.37

Almost one hundred years ago, during the British occupation of Egypt, a small village near Giza called Nazlat al-Shobak was violently raided by British soldiers. A military court was convened to investigate the villagers’ allegations that the army had looted and burned Nazlat al-Shobak, terrorized its residents and executed five village notables. Amongst the witnesses called to give evidence were a dozen women who had been raped by British soldiers. Over the next few months, the nationalist movement took up these women’s stories in their slogans and pamphlets. Yet they were quickly swept aside by the political discourse of independence, and before long, history had forgotten them entirely. ZIG ZIG is a theatre performance that takes as a starting point the transcripts of the Nazlat al-Shobak investigation. In the absence of Egyptian sources documenting the incident, it was in the British Foreign Office archives that these and other materials relating to the revolution of 1919 were found. The performance brings this historical moment to life, re-examining the rape testimonies of the inspiring and courageous Egyptian women who braved humiliation in the courts of the military occupier to tell the truth about the atrocities committed by its soldiers. Five performers draw links on stage between this historical material, their personal experiences and today’s rape culture, wondering why women’s narratives of rape are so often silenced, disbelieved and belittled, and asking: how much has really changed?

Please note: At CROSSING OCEANS Laila Soliman will have a conversation with Neo Muyanga about REPRESENTATION AT DIFFERENT STAGES.

Vor rund 100 Jahren, während der britischen Besatzung Ägyptens, wurde das Dorf Nazlat al-Shobak Ziel eines zerstörerischen Angriffs durch britische Soldaten. Sie richteten Dorfbewohner*innen hin und vergewaltigten mehrere Frauen. Diese Frauen erwirkten in einem für diese Zeit unglaublich erscheinenden emanzipatorischen Impuls einen Militärgerichtsprozess, der jedoch im Sande verlief, da ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wurde. ZIG ZIG ist eine dokumentarische Theaterarbeit, deren Grundlage die Transkripte dieses Prozesses bilden. Diese Dokumente fanden keinen Eingang in die ägyptische Geschichtsschreibung, die Performance gibt den Frauen und ihrer Gewalterfahrung wieder einen Ort und eine Stimme. Auf der Bühne stellen vier Performerinnen und eine Geigerin Bezüge her – von diesem historischen Material zu ihren eigenen Erfahrungen mit rape culture und der Bagatellisierung sexualisierter Gewalt. Die Theaterautorin und Regisseurin Laila Soliman war schon 2011 im Rahmen von SOCIAL FICTIONS bei SPIELART zu Gast.

Vor rund 100 Jahren, während der britischen Besatzung Ägyptens, wurde Nazlat al-Shobak, ein kleines Dorf in der Nähe von Giza, Ziel eines gewaltsamen Überfalls durch britische Soldaten. Ein Militärgerichtsprozess wurde einberufen, um die Anschuldigungen der Bewohner*innen, die Armee habe das Dorf geplündert und niedergebrannt, sie terrorisiert und fünf Prominente Ortsansässige ermordet, zu überprüfen. Unter den Zeuginnen, die einberufen wurden, waren unter anderem ein Dutzend Frauen, die von den Britischen Soldaten vergewaltigt worden waren. Im Laufe der darauf folgenden Monate griff die nationalistische Bewegung die Geschichten dieser Frauen in ihren Slogans und Pamphleten auf. Doch im politischen Diskurs um die Unabhängigkeit gingen diese schnell wieder unter und die Geschichte geriet schließlich gänzlich in Vergessenheit. ZIG ZIG ist eine Performance, deren Grundlage die Transkripte der Nazlat al-Shobak-Untersuchungen bilden. In Ermangelung Ägyptischer Quellen, die den Vorfall dokumentieren, wurden diese und andere Quellen, die mit der Revolution von 1919 zu tun haben, im britischen auswärtigen Amt gefunden. Die Performance ruft diesen Moment aus der Geschichte wieder ins Leben, überprüft die Aussagen über die Vergewaltigungen erneut, die von couragierten und mutigen Ägypterinnen gemacht wurden, die sich der Demütigung vor Gericht und den Blicken der Besatzungsmacht stellten, um die Wahrheit über die Grausamkeiten, die ihnen durch deren Soldaten angetan worden waren, ans Licht zu bringen. Fünf Performer*innen stellen Bezüge her zwischen diesem historischen Material und ihren persönlichen Erfahrungen mit heutiger Rape Culture und werfen die Frage auf, warum weibliche Narrative von sexueller Gewalt so häufig ungehört bleiben, bagatellisiert und als ungläubig dargestellt werden. Wie viel hat sich also wirklich verändert?

Veranstaltungshinweis: Bei CROSSING OCEANS führt Laila Soliman gemeinsam mit Neo Muyanga ein Gespräch zum Thema REPRESENTATION AT DIFFERENT STAGES.
29.10. 17.00-19.00 Uhr
30.10. 20.00-22.00 Uhr
HochX

Eintritt € 14,00 | Ermäßigt € 7,00

Künstlergespräch nach der Vorstellung am 30.10.

Englisch mit deutschen Übertiteln, arabische Passagen mit deutschen und englischen Übertiteln