White Wine

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15. Februar 2018 19:30 - 23:59

Milla – Live Club

Holzstraße 28

WHITE WINE: KILLER BRILLIANCE

“Das Leben und die menschlichen Gefühle sind so komplex, dass es mir schwer fällt mich davon zu überzeugen, dass ein Song glücklich, traurig, melancholisch, verärgernd oder verängstigend sein muss. Ich sehe diese Gefühle als ständig aufeinander prallende Elemente. Deswegen sehe ich es als meine Pflicht an, das zu reflektieren. Ich will aus den Ritzen und in die Ritzen von Genres fallen, das Unentdeckte finden. Das ist aber meistens der schwierigste Teil…“

Joe Haege hat seinen Ruf für aufregende und eingehende Klänge mit 31 Knots,Tu Fawning, Menomena und The Dodos schon alle Ehre gemacht. Gegründet wurde WHITE WINE (früher auch bekannt als Vin Blanc) als ein Soloprojekt, das später zu einem Duo angeschwollen ist, als Haege den damaligen Tontechniker von Menomena und Tu Fawning, Fritz Brückner, fragte ihn bei einer anstehenden Europatour zu begleiten. Ermutigt durch eine freiwerdende Wohnung in Leipzig, direkt neben Brückners Appartement, verließ Haege Los Angeles und wagte einen Neustart in Deutschland. Dort half Haege dabei das Haunted Haus Studio, welches White Wines neues zu Hause werden sollte, aufzubauen.
„Ein eigenes, voll funktionsfähiges Studio zu haben ist ein nicht mehr wegzudenkendes Alltagswerkzeug geworden.“

Dieses neue Lineup, 2015 ergänzt um Christian „Kirmes“ Kühr (Zentralheizung Des Todes), liefert die intensivste und zeitweise furchteinflößendste Musik seiner Karriere, meint Joe Haege. Das Resultat aus 18 Monaten Tour, Studio und einer neu entstandenen Gruppendynamik, ist Killer Brilliance. Haege sagt: “Es gab das Verlangen etwas düsteres und unheimliches zu schaffen.“
“Wir sind alle Killer, auf die eine oder andere Art und Weise. Manche töten Hoffnung. Manche töten Ehrlichkeit. Manche töten Angst. Manche töten Gier und manche töten aus Gier. Alle töten irgendwie einfach nur für unser blankes Überleben. Wie auch immer, der Punkt ist, dass so viele Arten des Tötens einfach faszinierend in ihrer Vielfalt sind. Wenn man wirklich ins Detail geht, kann man sehen, dass es kein Entkommen gibt. Ein bisschen Blut klebt an unser aller Hände.”

Diese leidige Erkenntnis wird in den schaurigen, bedrückenden Liedern auf Killer Brilliance widergespiegelt. Brückners mit Sound-Effekten entfremdetes Fagott gibt der Platte eine makabere Tiefe, während Kührs agressives, kräftiges und freimütiges Schlagzeugspiel, die Songs vollendet. Haeges Gesang liegt auf den Songs wie eine zornige Predigt zur unfreiwillig aber garantiert kommenden Apokalypse, unterstrichen durch gegensätzlich, feminine „Spoken Word“ Sequenzen, welche sich auf dystopische Visionen des Film Noir stützten, und dem Album eine mulmig, filmische Stimmung beifügen. Killer Brilliance steigt mit dem panisch, psychotischen “Broken Letter Hour” und dem verzweifelt, angespannten “Hurry Home” ein, gefolgt vom Titelsong „Killer Brilliance“, der durch seinen düsteren Shout-Chorus und einer eher klassischen Song-Struktur hervorsticht. Mit repetitiv und fast schon stupidem Beat dringen White Wine mit “Falling from the same place” nun in ein eher elektronisches Terrain hervor, im Hintergrund wächst mit „Abundance“ die Bedrohung, Haege im Gericht mit Wohlstand und dessen Wertigkeit – Das barocke, karnevaleske “I’d Run” (“Release the devil!”) und die vermeintliche Ruhe vor dem Sturm von ‚Bird In Hand‘, welches mit „The streets were just crawling with people just dying to breathe…“ einsteigt und mit der hässlichen Wahrheit “When one of us wins, some of us must lose” endet.

Musikalisch ernähren sich WHITE WINE von einer Palette aussergewöhnlicher KünstlerInnen wie PJ Harvey, Liars, Beak, Suicide, Minute Men, David Bowie, Diamonda Galas und Chuck D.
“Ich mag es Musik zu machen, die gespielt wird, wenn das Café geschlossen wird“ lacht Haege, “und nicht, wenn es offen ist.”
Lyrisch zeigt Killer Brilliance Haeges bekennende “seltsame Affinität für Doppeldeutigkeiten. Es passt zu meinem Denken, wenn ich versuche den Sachen auf den Grund zu gehen. In einer Welt voller Kunst- und Medienüberladung ist es nicht leicht ein Stück Land zu finden, dass nicht schon gut durchgelatscht ist. Viele MusikerInnen machen Musik in einer Phantasie Realität, Musik die poetische Wege findet der harschen Realität, die wir alle jeden Tag gezwungen sind zu schlucken, zu entkommen. Ich wünschte ich könnte das auch, aber leider kann ich das nicht. Aus irgendeinem komischen Grund habe ich dieses Verlangen mich an den blanken Wahnsinn der Existenz zu klammern, all das Lachen, das Weinen, das Jubeln und das Trauern, all das passiert doch zur selben Zeit.”

Zeitgemäß und entschlossen, gewaltig und natürlich, das ist Killer Briliance.

15.02.2018 // Einlass 19.30 Uhr // Beginn 20.30 Uhr

VVK 12€ zzgl Geb. // AK 15€