Realism Clio Newton / Eloy Morales

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14. September 2017 19:00 - 22:00

Galerie Benjamin Eck & Benjamin Eck II

Pestalozzi Strasse 14 & Zieblandstrasse 19

Die Ausstellung findet in der GALERIE BENJAMIN ECK II / Zieblandstrasse 19 / MAXVORSTADT statt:

Abbildungen der Realität sind heute alltäglich. Kameras sind allgegenwärtig, wenigstens die im Smartphone, und so kann jeder Moment festgehalten werden. Fotographie ist kein exklusives Gut, wie noch vor hundert Jahren, als eine Fotographie eine Seltenheit darstellte; und die Zeiten, in denen man Malerei zur Abbildung benötigte, sind beinahe in Vergessenheit geraten. Und doch kehrt in den letzten Jahrzehnten der Trend zur realistischen Abbildung von Wirklichkeit zunehmend in die bildende Kunst zurück. Fotografieren kann heute jeder, aber wer widmet sich schon wochenlang dem Portrait einer Person, um sie mit Pinsel und Farbe bis ins kleinste Detail zu verewigen? Ein Gegensatz zur Schnelllebigkeit der Smartphone-Fotos, die so schnell wieder gelöscht werden, wie sie entstanden sind. Im Hyperrealismus erkennt man echte Hingabe an den Moment, an ein Werk, das Zeit braucht, um zu entstehen, und gerade dadurch Wert und Berechtigung erhält.

Clio Newton, ursprünglich aus New York, arbeitet in Zürich an ihren überlebensgroßen Darstellungen von Frauen. Ihre Kohlezeichnungen sind schwarz-weiß, die Verläufe weich, wie ein Filter über einem Foto. Die Künstlerin malt Frauen, die sie im Alltag trifft, Personen, die sie nicht kennt, und mit denen sie sich doch für Wochen beschäftigt. Eine Ausnahme, wenn man bedenkt, wie schnell die meisten Zufallsbekanntschaften wieder verschwinden ohne Spuren zu hinterlassen. Bei Newton sind die Spuren sichtbar, ihre Arbeit zeigt Frauen mit unbekannten Hintergründen und Geschichten, die nur durch ihr Zusammentreffen mit der Künstlerin verbunden sind. Und doch haben für Newton Menschen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, eine Überzeugung, die man in ihrer Arbeit sieht – durch die gleiche Form der Darstellung, das gleiche Medium, die ähnliche Komposition der Werke.

Viel stärker als in einem Foto gibt ein Maler seine eigene, interpretierte Wirklichkeit einer Person wieder, eine Abbildung, die immer subjektiv beeinflusst ist. Was wird dem Betrachter gezeigt, was bleibt verborgen? Und geschieht das beabsichtigt oder unterbewusst? Wer weiß mehr, Künstler, Betrachter oder Model?

Bei Eloy Morales hat die Interpretation des Models in einigen Werken noch eine zusätzliche Bedeutung: Viele seiner Porträts sind Selbstporträts. Farbig und dynamisch überwältigt die unmittelbare Anwesenheit der riesigen Bilder. Ob es der Künstler selbst oder Personen aus seinem Umfeld sind, die er malt, immer blickt die Person aus einem farbverschmierten Gesicht mit durchdringendem Blick auf den Betrachter. Die Intensität, mit der der Künstler an den Werken arbeitet, ist greifbar in der Intensität ihrer Ausstrahlung. Morales fängt Momente in monumentaler Größe ein, in denen die Farben auf den Gesichtern die Persönlichkeit des Models unterstreichen. Mal ist der Farbauftrag transparent und sehr gleichmäßig, mal spontan und dickflüssig, von Weiß über erdiges Rot bis zu kräftigem Blau, eine Facettierung von Persönlichkeiten und Charakteren. Aber auch diese Facetten sind nur das, was der Künstler zeigen will – und das, was er selber sieht.

Text: Marina Sprenger

Engl.Version:

Images of reality are everyday. Cameras are omnipresent, at least with smartphones, and every moment can be kept. Photography is not an exclusive good as it was a hundred years ago, when a photograph was a rarity; And the times when painting was needed for illustration have almost fallen into oblivion. Yet in recent decades, the trend towards a realistic depiction of reality has increasingly returned to the visual arts. Anyone can photograph today, but who would dedicate himself to the portrait of a person for weeks, to immortalize it with brush and paint down to the smallest detail? This is a contrast to the fast-paced smartphone photos, which are erased as quickly as they were made. In hyperrealism, one can find genuine surrender to the moment, to a work that takes time to emerge, and thereby receives value and justification.

Clio Newton, originally from New York, works in Zurich on her big-size depictions of women. Her charcoals are black-and-white, the gradients soft as a filter on a photo. The artist paints women she meets everyday, people she does not know, yet engages with them for week. An exception, considering how quickly most of our random acquaintances disappear without leaving traces. Newton makes those traces visible, her work shows women with unknown backgrounds and stories, which are connected only by their encounter with the artist. And yet for Newton, people have more similarities than differences, a conviction that one sees in their work – by the identical form of representation, the same medium, the similar composition of the works.

Much stronger than in a photo, a painter reproduces his own, interpreted reality of a person, a figure that is always subjectively influenced. What is shown to the beholder, what remains hidden? And is this done intentionally or subconsciously? Who knows more, artist or beholder?

In his work, Eloy Morales interprets not only others, but also himself. The intense glance, which the artist captivates in obsessive detail on canvas, penetrates through color layers from white to earthy red to strong blue. While the portraits are as realistic as a photograph, Morales uses the faces as canvas and abstracts his interpretation of the portrait. He hides his face under what he wants to show the beholder, perhaps hides himself, only this look, rigid and direct, lets adumbrate the person behind the color. How differently Morales perceives his models and himself is shown by the variety of color-smeared faces: some are only covered with a transparent, even glaze, others with spontaneous, viscid color layers. Only the eyes look seriously and directly at the viewer, a window to this inside, which neither the artist nor the beholder know. If the artist is also a beholder and model – what can he still hide?