Locas in Love – Tourannosaurus X + Albrecht Schrader – München

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Starts in 2 Days, 2 Hours

22. Februar 2018 19:30 - 23:00

Milla – Live Club

Holzstraße 28

10 Jahre Saurus

Old, not obsolete.
Der Terminator

Vor zehn Jahren erschien SAURUS, das zweite Album der Kölner Band Locas In Love, wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen geliebt und etablierte die Band als „beste unbekannte Band des Landes“. Im Kellerproberaum unter teilweise abenteuerlichen Umständen aufgenommen und in den USA mit The National-, The War on Drugs- und Interpol-Produzent Peter Katis gemischt und zur Vollendung gebracht, hatten LOCAS IN LOVE auf SAURUS ihre ureigene Art zu texten, Songs zu schreiben und ihren Bandsound gefunden. Eine Ästhetik, die sich bis zum heutigen Tag durch ihre Alben zieht: Reduzierten Bombast nannten sie es damals, zwischen leisen Momenten und weit ausholender Geste, zwischen Atem-Anhalten über die gereckten Fäuste bis zur alles umschließenden Umarmung. Aus der gerne als „charmant“ bezeichneten, rumpeligen Indie-Folk-Band war ein entschlossenes saurierförmiges Monster geworden, immer noch durchaus liebenswert, aber auch groß, mächtig und unberechenbar, mal lärmend und tobend, mal stoisch stapfend, mal ruhig innehaltend.

Und das Beste: Jetzt, zehn Jahre später, gibt es SAURUS endlich wieder auf Vinyl! Die Jubiläumsneuauflage auf staatsakt. ist mit umfangreichen Making Of-Chronicles ausgestattet, die neben – aus bodenlosen Souvenir-Kisten und von verstaubten Festplatten geborgenem – Bildmaterial und anderen Kuriositäten die damaligen Studioaufnahmen in Tagebuchform dokumentieren und Linernotes aller Bandmitglieder enthalten.

Außerdem liegen bei: Die gesammelten Tour- und Reiseberichte aus der Saurus-Zeit und endlich auch das Saurus-Songbook mit Texten und Akkorden zum Nachspielen.

So erzählt das Reissue nicht nur von der Entstehung eines großartigen Albums, sondern auch vom Sich-Finden einer Band, von Abenteuer und Aushalten, Frustration und Freundschaft, Irrfahrten und Weitermachen.

Support: Albrecht Schrader

Albrecht Schraders Leben dreht sich in einem Maße um Musik, dass einem schwindelig werden kann. Letztes Jahr veröffentlichte er auf Staatsakt die EP „Leben in der Großstadt“, deren Titelsong sich im Laufe der Zeit zu einem viel beachteten Szenehit entwickelt hat. Auf der anschließenden Kurz-Tournee erwies sich der Musiker zudem als versierter, wortgewandter Entertainer, der es versteht, das Publikum durch Witz und Esprit in seinen Bann zu ziehen.

Nebenher fand der gebürtige Hamburger mit Wohnsitz in Köln Zeit, Klavier auf dem neuen Album von Pete Doherty zu spielen. Auf der Herrenmagazin-LP „Sippenhaft“ ist der vielseitige Musiker in der Funktion als Pianist und Gitarrist zu hören. Damit nicht genug, ließ er es sich nicht nehmen, Theatermusik für die Aufführung des von Thomas Melle („Die Welt im Rücken“) verfassten Stücks „Ännie“ am Theater Bremen zu komponieren. Abgerundet wird diese fast schon maßlos anmutende Aktivität dadurch, dass Albrecht Schrader zusammen mit Lorenz Rhode als musikalischer Leiter des sogenannten Rundfunktanzorchesters Ehrenfeld fungiert, hinter dem sich nichts Geringeres verbirgt als die Showband des Neo Magazin Royale, das bekanntlich von Jan Böhmermann moderiert wird. Der ehemalige Blockflötenschüler Schrader scheint emsig damit beschäftigt, den seit dem Tod von James Brown vakanten Posten des „hardest working man in showbusiness“ neu besetzen zu wollen.

Erhärtet wird dieser Verdacht dadurch, dass der Bach-Fan es jetzt auch noch geschafft hat, sein erstes Album „Nichtsdestotrotzdem“ fertig zu stellen. Herr Schrader, wie haben Sie das gemacht? Mit der größtmöglichen Eleganz natürlich. Alles auf dem Album klingt hochgradig elegant. Die Musik scheint wie von Geisterhand zusammengefügt, weil sie kaum Spuren ihrer Gemachtheit in sich trägt. Bei genauem Hinhören ergeben sich natürlich doch kleine Reibungen und Brüche, die die Songs individualisieren. Im vermeintlich stromlinienförmigen „Die Form“ läuft in der zweiten Hälfte des Songs eine rhythmisch angelegte Gitarrenschraffur mit, die unterschwellige Stör-Akzente setzt. Die im Duett mit Tiana Wagner gesungene Ballade „Zufrieden Ahnungslos“ stellt den Bruch gar offen aus, indem sie es zulässt, elegisches Pathos mit einem metalartigen Schweinerock-Gitarrensolo zu konfrontieren. Das ist ein Moment, in dem das Album Angst vor Peinlichkeit hinterfragt. Dabei geht es an keiner Stelle darum, sich neunmal klug auf einer Meta-Ebene zu bewegen – was nicht bedeutet, dass hier Authentizität das Wort geredet wird. So appelliert etwa das tolle, DX7-Sounds der 80er nachstellende „Ganz normal“ an altmodische Affekte, ohne im Schlageridiom zu kommunizieren.

„Nichtsdestotrotzdem“ sucht nach Ambivalenz und findet sie in dezent und subtil in Szene gesetzten Gegenüberstellungen. Auf textlicher Ebene wird dies deutlich im Titelsong, der völlig selbstverständlich Terrorismus und den Eurovision Song Contest auf derselben Wahrnehmungsebene situiert. Gerade im Modus der aufzählenden Aneinanderreihung von Unvereinbarem, den Albrecht Schrader auf diesem Album durchgängig als Stilmittel der Konfrontation zwischen Form und Inhalt etabliert, wird bewusst der Eindruck kreiert, dass etwas nicht ganz stimmig ist. Damit wir uns nicht falsch verstehen: hier geht bei aller Tendenz zu musikalisch-textlicher Exzentrik immer um Popmusik im emphatischen Sinne: in „Die Form“ singt Albrecht Schrader gar die universal verständliche, inklusionistische Zeile „lalalalala“. Mehr Pop geht nicht.

22.02.2018 // Einlass 19.30 Uhr // Beginn 20.30 Uhr

VVK 12€ zzgl Geb. // AK 15€