After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert – Veranstaltungen

More

14. Juli 2017 to 25. Juli 2017 19:00

Lenbachhaus und Kunstbau München

Luisenstraße 33

Propaganda in Deutschland: Narrative und Gegenbotschaften
Ein Gespräch zwischen Julia Fritzsche, Simon Hegelich und Diana Rieger, moderiert von Stephanie Weber
Freitag, 14. Juli, 19 Uhr
Lenbachhaus / Eintritt frei

Als Gegenbotschaften oder Counter Narratives werden Bemühungen bezeichnet, Propaganda u.a. im Netz zu entlarven und ihr etwas entgegenzusetzen. Oftmals geht es konkret um Antworten auf oder Strategien gegen Propaganda rassistischer, rechtsradikaler oder religiös fanatischer Natur. Prof. Dr. Diana Rieger ist Autorin der vom Bundeskriminalamt beauftragten Studie »Propaganda 2.0«. Julia Fritzsche befasst sich in ihrer journalistischen Arbeit mit gesellschaftspolitischen Themen, wie bspw. in ihrem Radiofeature »’Prolls, Assis und Schmarotzer!‘ Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet«. Prof. Dr. Simon Hegelich als Experte der Social Media Forensics betrachtet unsere aktuellen Kommunikationswerkzeuge hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Problematik. In der Runde wird der vielschichtige Propagandabegriff in seiner medialen wie inhaltlichen Komplexität diskutiert.

Ein Abend mit Coco Fusco: Vortrag und Videoscreening
Samstag, 15. Juli, 19 Uhr
Lenbachhaus / Eintritt frei / In englischer Sprache

In ihrem Vortrag führt die kubanisch-amerikanische Künstlerin Coco Fusco, deren Arbeiten in der Ausstellung vertreten sind, in ihre künstlerische Praxis ein. Anschließend wird das Video »The Couple in the Cage: Guatianaui Odyssey« gezeigt, in dem Performances von Coco Fusco und Guillermo Gómez-Peña aus den frühen 1990er Jahren zu sehen sind. In primitiven Kostümen traten sie als »unentdeckte AmerIndians« in einem goldenen Käfig auf – eine Übung in Pseudo-Anthropologie, die auf rassistische Annahmen über »Eingeborene« anspielte. Die Performance wurde in vier Ländern aufgeführt und rief unterschiedlichste Reaktionen hervor: alarmierend war, dass viele Betrachter es für nicht weiter bemerkenswert hielten, dass »Eingeborene« in einem Käfig ausgestellt wurden. Dieses provokative Video suggeriert, dass der oder die »Primitive« nichts anderes ist als eine westliche Konstruktion und nutzt die Mittel der Komödie und Fiktion, um historische Tatsachen und Tragödien zu adressieren.

HAUPTAKTION: Situation mit Zuschauern
Sonntag, 16. Juli, 20.30 Uhr
Kunstbau / Eintritt frei

In der Lecture-Performance »Situation mit Zuschauern« arbeiten sich Banafshe Hourmazdi, Jasmina Rezig und Oliver Zahn an einem Video ab, das viele Fragen aufwirft: Wie politisch ist der Blick? Wo ist die Schwelle zwischen Zeugenschaft und Voyeurismus? Eine Arbeit über die Lust an der Beobachtung, die heute einfacher zu befriedigen ist als jemals zuvor.

Trigger-Warnung: »Situation mit Zuschauern« lotet die Grenzen des Zuschauens aus. Einzelne Bilder und Szenen verhandeln potenziell verstörende Inhalte. Eintritt auf eigene Verantwortung.

Von und mit Banafshe Hourmazdi, Jasmina Rezig, Oliver Zahn
Technische Gestaltung, Licht: Jonaid Khodabakhshi
Dramaturgie, Künstlerische Produktionsleitung: Hannah Saar
Künstlerische Mitarbeit, Outside Eye: Julian Warner

Eine Produktion von HAUPTAKTION. Koproduziert mit den Münchner Kammerspielen und dem HAU Hebbel am Ufer, in Kooperation mit dem Theater Rampe Stuttgart. Gefördert durch die Landeshauptstadt München, die Richard-Stury-Stiftung und den Fonds Darstellende Künste.

»Das letzte Loch ist der Mund / The Mouth – Our Ultimate Prison«
Filmvorführung mit Klaus Erich Dietl, Regisseur des Films, Filmemacher und Künstler, im Gespräch mit Zara S. Pfeiffer, Politikwissenschaftlerin und Autorin
Di, 25. Juli, 19 Uhr
Kunstbau / Eintritt frei

Der Film »Das letzte Loch ist der Mund / The Mouth – Our Ultimate Prison« stellt die Frage nach den Paradoxien des Lügens, besonders im formalisierten Sprachgebrauch des Rechtssystem. Ein junger Mann, der sich selbst in Anlehnung an den amerikanischen Serienmörder Albert Fish, Jakob Fisch nennt, gesteht Morde, die er nicht begangen hat. Eine Art Umkehrung der kafkaesken Ursituation. Im anschließenden Gespräch widmen sich Zara S. Pfeiffer und Klaus Erich Dietl der Frage, wie Machtverhältnisse in der Sprache manifest werden.

Weitere Informationen: http://www.lenbachhaus.de/veranstaltungen/after-the-fact/?L=0